Der Schneidermeister Felix Zavoyski

Eine der berühmtesten architektonischen Sehenswürdigkeiten in Karlsbad ist zurecht das am Marktplatz gelegene Felix Zavoyski-Haus. Das Haus trägt seinen Namen bereits seit dem frühen XX. Jahrhundert zu Ehren seines hervorragenden Besitzers, und bis heute hat es nicht nur seinen Namen bewahrt, sondern auch sein unverwechselbares Jugendstil-Antlitz.

Felix Zavoyski erblickte 1848 in der kleinen Ortschaft Doubravník im Südosten Tschechiens das Licht der Welt. Nachdem er die Schule beendet hatte, ging Felix nach Österreich, um die Kunst der Schneiderei bei den führenden Kapazitäten dieser Zunft zu erlernen. Das Schicksal wehte ihn zunächst nach Wien, wo er als Schneidergeselle Anstellung fand, und dann nach Paris. Felix gab sich mit Halbheiten nicht zufrieden. Er wollte in seiner Zunft der Beste sein. Dazu sammelte er Erfahrungen und Fertigkeiten bei seinen Lehrmeistern. Schritt für Schritt vertraute man ihm auch die Bestellungen der erlesensten Klientel an. Er kleidete den Hochadel und Diplomaten, nähte Gewänder für Könige und leitete die Anprobe, und er errang Bekanntschaft in höchsten weltlichen Kreisen. Meister Zavoyski war der beste Vertreter seines Ateliers an der Riviera, in Indien, Persien und sogar in Amerika.

Kurz vor der Vollendung seines fünfzigsten Lebensjahres beschloss Felix Zavoyski, sich gemeinsam mit seiner Gattin, der Künstlerin Maria Stemperova, in Karlsbad niederzulassen und einen eigenen Schneidersalon zu eröffnen, aber auch, um seine Erfahrungen an die jüngere Generation weiterzugeben. Felix verstand sehr gut, dass sein Modehaus unbedingt an einer der Hauptstraßen Karlsbads liegen musste, so erwarb er das Grundstück am Marktplatz, nachdem er sich beim Wiener Architekten Karl Heibeck ein Bauprojekt hat anfertigen lassen.

Im Jahre 1900 wurde der Traum des Meisters endlich Wahrheit, und Felix Zavoyski zog in das wunderschöne Gebäude ein, das in der Zeit danach zu einer Zierde für die Stadt werden sollte. Wenige Monate später erteilte der Rat der Stadt die Genehmigung zur Eröffnung eines Schneiderateliers, das den Namen Felix Zavoyski erhielt. Der «Hoflieferant» (so ergänzte Felix die Bezeichnung seines Modehauses) bekam gigantische Aufträge. Das Atelier nahm bereits den gesamten ersten Stock des Hauses ein, im Erdgeschoss waren die Räume zum Maßnehmen und zum Anprobieren, sowie ein gemütlicher Empfangssalon. Den zweiten Stock richtete Felix Zawojski als seine Wohnung ein. Dort war auch das Atelier seiner Gattin. Die übrigen Etagen des Hauses vermietete er an Gäste, die nach Karlsbad kamen, oder an seine Stammkundschaft.

1911 beschloss Felix Zawojski, gemeinsam mit seiner Gattin an die Adria zu gehen. Er verkaufte sein Anwesen in Karlsbad und kehrte zunächst nach Doubravník zurück, wo er sich mildtätigen Zwecken widmete.

Nachdem Felix Zawojski Karlsbad verlassen hatte, wechselte sein Haus mehrfach den Besitzer und wurde geringfügig umgebaut, aber es ist gelungen, seine einzigartige Architektur zu erhalten. Bis heute ist es eines der berühmtesten Bauerke im Jugendstil.

Interessantes und Wissenswertes

Das Haus Felix Zawojskis war das erste in Karlsbad, in dem ein Aufzug eingebaut wurde. Das war 1910.

Zu seiner Kundschaft zählte Felix Zawojski den englischen König Edward VII, den berühmten «arbiter elegantiarum», ein – wie man heute sagen würde – Trendsetter für einen erlesenen Geschmack im Bereich der Mode in ganz Europa.

Mustapha Edin, einer der persischen Schahs, war dermaßen zufrieden mit den Modeschöpfungen des Meisters Felix Zawojski, dass er ihn mit dem Recht auszeichnete, vier Frauen zu haben und jederzeit und nach Belieben die Gemächer des Schahs aufzusuchen.

1902 gab es in Karlsbad 151 Modeateliers, doch keines konnte sich mit dem Atelier Felix Zawojski in seiner Popularität messen.